„...Geschichten, die nur das Leben schreibt"

("Landsuche", 09.12.2023")

Sommer ’23: Ich habe mich mehr oder weniger freiwillig aus dem Angestelltenverhältnis zurückgezogen, u.a., um in Zukunft selbst zu bestimmen, wie und mit wem ich meine Zeit verbringe. Die Beraterin in der Agentur für Arbeit gibt mir eine Hausaufgabe: „Suchen Sie sich einen Gründercoach Ihrer Wahl, um die geplante Selbstständigkeit bestens mit einem Coaching vorzubereiten“. Gesagt, getan! Am Ende waren zwei Coaches übrig, eine Dame und ein Herr. Ich entscheide mich für den Herrn. Bei der Absage der Dame gibt sie mir ein „Alles Gute und ein erkenntnisreiches Coaching“ mit auf den Weg. Ein erkenntnisreiches Coaching? O.k.

 

Das Coaching läuft. Während wir immer tiefer reflektieren, wird mir klar, dass ich mindestens einen Anteil meiner Persönlichkeit nicht lebe, den Geschäftlichen, den, der mit Geld und Selbstwert zu tun hat. Ein Großelternpaar war aus meiner Sicht sehr naturverbunden, handwerklich begabt, Tiere, Garten – prima. Das andere Großelternpaar, zu dem ich aus persönlichen Gründen eine vermeintliche Glastrennwand mit Bezug zum Thema Geld aufgebaut hatte, waren Geschäftsleute, eigene Wirtschaft, Umgang mit Menschen, Zahlen, Rechnungen, gehobener Lebensstandard.

Mir wird wohl klar, dass dieser Teil auch seine Berechtigung hat, angenommen und gelebt zu werden.

13.11.2023, das Unternehmen ist inzwischen gegründet. Anruf von detectorist.eu. „Suchst Du noch? In Nürnberg hat ein Mann seinen Ring offenbar im Garten verloren“. „Ja, suche weiterhin, gib‘ mal die Nummer.“ Melde mich bei Patrick, machen Termin für den Abend aus. Nehme Ausrüstung und Stirnlampe mit, treffen uns im Garten hinter dem Haus in einer Nürnberger Villengegend.

 

Patrick: Hier ist der Garten, habe den Ball nach oben geworden, Ring ein bisschen zu groß, Absicht, bin Handwerker-Meister, möchte ihn beim Werkeln leicht abnehmen können. Muss ins Haus, unser Jüngstes ist 10 Tage alt. Viel Erfolg. Ich suche. 1h, 2h, es regnet, es ist dunkel. Nichts. (Naja, außer dem üblichen Schrott in Villengärten: Goldmünzen, Juwelen etc. – Nein, nur Spaß). Rufe ihn nach ca. 2,5h an – kannst Du rauskommen? Er kommt. Leider nicht gefunden. Patrick zielt auf einen weiteren Versuch ab. Wir unterhalten uns noch etwas. Plötzlich eine mir bekannte, aber nicht typisch bayerische Vokabel. Stop! Patrick, Du bist aber nicht aus Bayern?! Nein, aus Thüringen? Ah, ich auch. Er: Aus Nordhausen! Ah---- ich auch! Er: Aus YXZ-peda! Ähm – (spooky atmosphere) ich auch! Er: Mein Vater heißt. J.B.! Ich: Meine Mutter ist die Cousine Deines Vaters. Unsere Opas waren Brüder, Deiner der Bürgermeister, meiner hat die Wirtschaft betrieben. Wow. Diese Sekunden, in denen man nur sprachlos ist. Wow, wow, wow….


Wir verdauen, jeder für sich und verbleiben, dass wir demnächst wieder suchen werden.


Ich fahre heim, mir wird so unglaublich klar, dass damit die Verbindung zu dem durch die Glaswand getrenntem Anteil von mir selbst wieder hergestellt ist. Demut.


Freitag, 08.12.2023. Patrick meldet sich: Hey, der Schnee ist weg, wann wollen wir? Besser an einem Wochenende, kann dann besser einen Babysitter organisieren, möchte mitsuchen. Ich: Na dann morgen! (Samstag, 09.12.). Ja, klappt. Treffzeit: 13 Uhr. Treffpunkt: Nähe des Ringes. Gebe Patrick eins der Profi-Geräte, suche selbst mit dem Handdetektor – aus meiner Sicht effektiver, der Ring muss auf der Oberfläche liegen, wenn er hier liegt (wofür alle Indizien sprachen, (Patrick hatte den Rest der uns bekannten Welt schon ausgeschlossen)). Jeder sucht in seiner Ecke.

Nach ca. 60-75 min, wir sind allmählich sehr nah beieinander, ein „Stefan, komm‘ mal kurz“. Ich rüber, er die Pflanzen zur Seite. Da lag‘ er! Schön verdeckt und versteckt, den ersten Schnee hinter sich, unversehrt. Patrick hat seinen Ring selbst gefunden. O.k., mit Detektor, aber selbst. Auch schön.


Freude am Set. Seine Frau, welche vom Zimmer aus beobachtet, hat es auch gleich verstanden. Fototermin. Klick, Klack, noch ein Video.

Längeres Gespräch am Auto. Am Ende: Und die Rechnung schickst Du dann bitte an… Stop! Rechnung? Ja! Nein! Doch! .... Das Geld hätte Jeder bekommen, ich habe „meinen“ Ring wieder, brauche keinen Neuen kaufen. Außerdem: Ohne Deine Hilfe hätte ich ihn nicht gefunden.

Äußere und innere Diskussionen. Ergebnis: Annahme! Auch sein „Sieh‘ es als Starthilfe für Dein Unternehmen“ war irgendwie schicksalhaft – denn es kam ja aus der Richtung, die ich bisher, wenn auch unbewusst, innerlich verneint habe.


Demnächst Kaffee und Kuchen, wenn die Temperaturen und Kinder etwas höher sind.


Danke, Du Lebensweg
😉

 

P.S.: Für die Statistik: Das war Patrick #3 - Verlieren Patricks gern Eheringe?